Kleine Aussetzer: Unterhaching – SKI: 4,5 – 3,5

Zweites Match, zweite Null: diesmal eine unglückliche, aber zugleich ermutigende. Denn wir spielten gutes Schach und letztlich waren es nur zwei kleine Momente, die dafür sorgten, dass wir leer ausgingen.

Wir kamen gut vom Start weg. Thomas gegen Pirc und Mike gegen den Stonewall standen mit Weiß sicherlich besser und Martin versuchte noch seinen Gegner nach einem Philidor am Figurenentwirren zu hindern. Bei unseren Schwarzpartien hatten Andi mit Moderner Verteidigung und Daniel mit einem Bogo-Inder offenbar schnell ausgeglichen und leichte Probleme waren, wenn überhaupt, höchstens in Christians Franzosen zu vermuten. Diese erledigten sich aber bald mit dem Remisschluss.

 

In der Schilderung fehlen noch Hans und ich, und zwar weil ich bei uns beiden auf die ersten Punkte hoffte. Bei mir allerdings zu Unrecht: Zunächst war ich stolz, mit einem Mehrbauern aus meinem Franzosen hervorgegangen zu sein, obwohl mein Gegner am Vorabend mit IM Berchtenbreiter genau dieses – mir natürlich unbekannte – Abspiel ziemlich weit vorbereitet hatte und die ersten 14 Züge a tempo spielte. Nach seinem Tempoverlust im 15. Zug verteidigte er sich aber äußerst geschickt, so dass ich wohl nie größeren Vorteil hatte. Bei Hans hoffte ich hingegen mit Recht: Sein Gegner hatte im Königsinder zum allgemeinen Erstaunen seinen Königsspringer auf die Reise g8-f6-h5-f4-e6-c5-a6 geschickt, wo er unter vielen weißen Tempogewinnen abseits stand und sich nun noch nach b8 zurückzog. Dies natürlich erst, nachdem der Damenspringer umgekehrt auf g8 gelandet war. Das roch fast nach einer geheimen Wette, die er durch diese Manöver gewonnen hatte. Hans konnte sich jedenfalls gegen eine überwältigende Stellung ohne Gegenspielgefahr gar nicht wehren: Der erste Sieg schien nahe.

Die anderen Weißpartien waren anschließend alle in Richtung Remis unterwegs. Thomas fand kein Mittel, um seine Initiative auszubauen und leitete in ein ungewinnbares Turmendspiel mit Mehrbauer über. Bei Marc war eine unübersichtliche Freibauernschlacht ausgebrochen, aber mit der Zeitkontrolle stand ein tot remises Läuferendspiel auf dem Brett. Martin befand sich im ausgeglichenen Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und einem Turmpaar und hatte bereits remis angeboten. Unsere Schwarzpartien steuerten auch auf das Unentschieden zu. Meine Bauernrückgabe war zwar ein Versehen, aber ein Weg zum Vorteil wäre sowieso kaum zu finden gewesen und wir beendeten die anscheinend recht gute Partie friedlich. Andi kam im ausgeglichenen Leichtfigurenendspiel zur Zugwiederholung und Daniel hatte sich taktisch aus einer Lage befreit, die von außen betrachtet etwas kritisch ausgesehen hatte. Nun musste er für das Remis nur noch den Zug f7-f5 ausführen, den er sich vorgenommen hatte. Er spielte den Zug auch – fast. Denn plötzlich stand stattdessen der Nachbarbauer auf g5 und dieser Ausrutscher nach links erzwang fast sofort die Aufgabe. So lagen wir nach der Zeitkontrolle bald 2,5 - 3,5 hinten.

An Brett 1 konnte Martin aber Daniels Malheur ausgleichen. Sein Gegner hatte kein Remis gewollt und bekam nun auch keines mehr, da er bei knapper Zeit ungenau weitergespielt hatte. Alles hing also von Hans‘ Partie ab und mittlerweile musste man sagen: leider. Er hatte weiterhin Fortschritte gemacht, wenn auch nicht so schnell wie ich vermutet hätte. Dann aber ging der Plan des Gegners auf, den ehemaligen Königsspringer von b8 über d7 und f6 wieder nach g8 zurückzubringen (10 von 38 Zügen mit diesem Springer), und zwar ironischerweise mit vernichtender Wirkung. Ohne dass Hans jemals auf eine Drohung hätte reagieren müssen, standen plötzlich seine Dame, der König und die beiden Springer genau so, dass schon die Androhung der besagten Ganz-zurück-Entwicklung Sf6-g8 bereits einen Figurenverlust bedeutete. Dass der Schwarze danach noch lange brauchte, um seine Figuren zu aktivieren, sagt einiges über die Stellung aus. Am Ende aber sah Hans in der beiderseitigen 30-Sekunden-Phase nicht mehr, wie er den Vereinfachungen ausweichen sollte und überschritt die Zeit.

Aber: Wir können es noch! Wenn wir weiterhin in jedem Match einen Punkt mehr holen als vorher, können wir zu Weihnachten eine ausgeglichene Bilanz vorlegen.