Teilnehmer:

§  Diana Stachowitz, Landtagsabgeordnete SPD

§  Stefan Kindermann, Schach-Großmeister, Mitbegründer und Geschäftsführer der Münchener Schachakademie

§  Walter Rädler, Vorsitzender der Deutschen Schulschachstiftung, Vizepräsident für Verbandsentwicklung im DSB

§  Alexander Exner, Vorsitzender des Gehörlosenvereins Ingolstadt

§  Sandor Bela, Taub-blinder Schachspieler des Schachklub Ingolstadt

Manching, den 28.04 2019, Hotel Manchinger Hof, Manching 

 

Wie Herr Walter Rädler später in der Diskussion betonte, „Gens Una Sumus“: „Wir sind eine Familie“. Die Schachwelt-Devise gilt natürlich auch für behinderte Menschen. In der Realität aber sieht es aber weiterhin düster aus. Der Schachklub Ingolstadt hat es mit seinen Anstrengungen, Sandor Bela in den Spielbetrieb zu integrieren selbst erfahren. Deshalb lud er gemeinsam mit dem Verein Schachförderung e.V. zu einer Podiumsdiskussion zum Thema: „Inklusion: Denksport gegen Handicap“ ein.

Wenige Minuten vor Beginn der Diskussion füllt sich der Raum mit Menschen, die die Debatte verfolgen möchten. Es wird eng, aber es bleibt ungewohnt leise. Viele Gehörlose kommen und unterhalten sich in Gebärdensprache. Sie sind interessiert, weil es selten ist, dass behinderten Menschen ein öffentliches Podium gegeben wird – so empfindet es Alexander Exner. Er setzt sich dafür ein, dass die Anliegen der Gehörlosen und anderer Menschen mit Handicap in der Politik wahrgenommen werden. Besser wäre es sogar, ergänzt Herr Exner, wenn behinderte Menschen selbst Politiker würden, weil sie einen persönlicheren Zugang zu den Problemen und Bedürfnissen behinderter Menschen hätten.

Jeder Diskussionsteilnehmer besitzt eigene Erfahrungen mit dem Thema Behinderung. Herr Kindermann engagiert sich mit Schach in der Pfenningparade, einer Einrichtung für körperlich behinderte Menschen; Frau Stachowitz berichtet vom täglichen politischen Wettstreit für die Anliegen der Behinderten; Walter Rädler gibt Einblicke in die Verbandsentwicklung des deutschen Schachbundes und der taub-blinde Sandor Bela erklärt, wie er mit anderen Menschen kommuniziert.

Die Gesellschaft sei offen, lautet der Tenor. Es gebe viele Menschen, die sich für Behinderte einsetzen, aber oft fehle es an finanziellen Mitteln. Die gibt es zwar theoretisch durchaus – das ist auch eine Erkenntnis dieses Nachmittags – aber die Lage ist unübersichtlich, vieles unbekannt und Informationen sind schwer zu sammeln. Ein Ansatz sind zentrale Ansprechpartner der Stadt, die einen Überblick besitzen und so engagierte Menschen unterstützen können. Ingolstadt besitzt zwar eine solche Person, aber es könnte noch mehr getan werden, gerade im ländlichen Raum.

Einen wichtigen Beitrag setzt Herr Kindermann, der von einer behinderten Schachschülerin berichtet, die sehr erfolgreich an einem Schachturnier mit nicht-behinderten Menschen teilnahm. Wichtig war hier nicht, über andere zu triumphieren, sondern ein Teil zu sein, akzeptiert zu werden und gleichberechtigt mitzumachen. Für die Schachspielerin war es „ihr schönster Tag im Leben“.